27 Januar 2007

SWR - gegen den modernen Provinzfußball



Neulich im SWR-Fernsehen: Edgar Schmitt angekündigt. Martin Braun angekündigt. Aalen-Fans dezent verzückt: der zukünftige Aalen-Coach und der ehemalige Aalen-Abwehrchef in einer Sendung. Traumkonstellation. Denkspiele: zwei Männer, beide bei einem kleinen Verein auf der Ostalb: "Die reden über den VfR! Eine halbe Stunde lang!" Medieninteresse, Stolz-geschwellte schwarz-weisse Brust. Dann jedoch zuerst: Skispringen. Ich: Brötchen mit Salami. Darauf folgend: Springreiten. Ich: Giotto im Doppelpack. Letzte 8 Minuten: Schmitt und Braun. Ich: gespannt. Moderator: "Herr Schmitt, eigentlich wollten wir mit Ihnen über das badische Derby KSC - Freiburg sprechen, welches am Wochenende stattfindet, jedoch müssen wir aus aktuellem Anlass über ihr neues Traineramt beim Regionalligisten VfR Aalen sprechen...". Eddy: "Ja stimmt, da bin ich jetzt Trainer. Es ist eine reizvolle Aufgabe." Moderator: "Herr Braun, sie haben da auch mal gespielt...". Maddin: "Ja." Moderator: "Gut. Reden wir jetzt also über das badische Derby." Ich: entsetzt. Drei Sätze über den VfR. Dann zurück in die Vergangenheit. Meine schwarz-weisse wird zur Hühnerbrust und ich denke mir - wie in nahezu jeder Regionalliga-Sendung des SWR - "Muss das sein? Muss uns in jeder Sendung vor Augen geführt werden, dass z.B. die Kickers wichtiger sind? Oder ist es aus Kostengründen für das SWR einfach billiger, ständig über die zu berichten, weil sie da mit ihren zwei Kameras nur über die Straße laufen müssen? Oder ist das SWR einfach gegen den modernen Provinzfußball? Sind Aalen-Fans alles Verbrecher? Fragen üder Fragen - Beantwortung in der Rückrunde, Samstags ab 16.30 Uhr im SWR-Fernsehen. Unser...äh...euer Drittes."

29 Dezember 2006

Rosaner Rütli-Plüsch-Döner



Grau und kalt präsentiert sich der Winter. Weihnachten ist vorbei, jetzt kommt der Sylvester-Psycho-Stress.
Zuletzt wurden ein paar Tage in Berlin verbracht. In der Nachbarschaft eine Strasse weiter die berüchtigte Neuköllner Rütli-Schule, umzingelt von lokaler, gemischt internationaler Umgebung und das rechte Fascho-Pack daher weit in die Ecke getrieben, wo sie auch hingehören und schmachten sollen.
Der Prenzlberg besticht durch schmackhafte Schweinskopfbilder, Mitte durch glattgebügelte Kommerzialisierung und Friedrichshain war auch schon mal interessanter. In Kreuzberg dann nette Rosa-Plüsch-Clubs und Billig-Döner. Gut gestärkt kann so bald endlich wieder der Liga-Alltag beginnen.
Nur bis dahin... das dauert. Was mach ich nur ohne Fussball? Ich widme mich den Cocktails. Oder doch eher den Stränden Thailands?

12 Dezember 2006

Leise schlurft die Geschichte


Ich muss zugeben: ein Husarenritt. Von allen Seiten kam die Frage warum ich das mache, und ich sagte nur leise: "ich war da noch nie". Und dass es an diesem Tag stundenlang schneit, regnet, schneeregnet und sonstirgendwie nass vom Himmel runterkam, war morgens noch nicht abzusehen.
So fuhr ich stundenlang durch Süddeutschland mit dem Wochenendticket, morgens hin - abends zurück, und durfte mir dabei Amerkanerinnen anschauen die euphorisch durchs Zugfenster den draussen rieselnden Schnee knipsten, und Deutsche, die eher apathischen Blickes dachten "ja es gibt ihn noch, den Schnee".
Dafür entschädigte mich der Anblick eines leeren Ortes der Geschichte, gegossen aus Beton. Es stank regelrecht nach Geschichte, positiv gemeint. Umso deprimierender das Spiel auf tiefem Boden.
Vorbei. Es ist Winterpause. Wo ist der nächste Glühweinstand?

04 Dezember 2006

Hempels Sofa

Jawiedennwodennwasdenn!?! Zustände wie bei Hempels unterm Sofa. Da geht man einmal nicht ins Stadion, dann finden dort wildeste Szenen der Verzweiflung, Wut und Missgunst statt. Ja tatsächlich.
Da wirft ein Mann den Ball von der VIP-Tribüne aufs Spielfeld zurück, und der Schiri unterbricht aus lauter Dankbarkeit das Spiel für mehrere Minuten. Was soll denn der Zuschauer auch sonst machen? Den Ball behalten? Unterm Pulli aus dem Stadion schmuggeln? Anknabbern?
Man sollte vielleicht erwähnen dass der Schiri kurz vorher eine äusserst lächerliche Rote Karte dem engagierten Wingerter gezeigt und ebenso ein Tor des VfRs mit Begründung 'Abseits' aberkannt hatte. Also da finde ich es in Ordnung den Ball wieder aufs Spielfeld zurückzuschmeissen damit das Spiel weitergehen und der VfR weiter stürmen kann. Hätte er ihn behalten dann hätte man ja schliesslich noch länger gebraucht um einen neuen herbeizuzaubern.
Seit dem Becherwurf sind alle so zickig und nur noch so schreckhafte Hochsensibelchen. Puha. Schüttel.

26 November 2006

Berittener Schafskäse


Die Pirmasenser Schuhe sind schon fast ne Ewigkeit her, die Darmstadter Lilien gerne verdrängt und jetzt leuchteten türkische Milchprodukte vor dem Auge. Milch, Ayran und sonstiger Schafskäse erwarteten mich. Und eine berittene Reiterstaffel. Kaum laut gedacht, und schon leise gelächelt und milde wieder mal am eigenen Verstand gezweifelt. Reiter sind schliesslich immer beritten.
Ein Wirbelwind ging durchs Stadion, und siehe da, es war der VfR! Eine geistige Täuschung? Eine Fata Morgana? Nun, der Schwung verebbte mit der Zeit und der VfR war schliesslich wieder da wo der Schafskäse hinwill: am Boden, ausgewringt und vertilgt. Die Schwere im Magen dominiert und das Verdauen dauert noch an.

24 November 2006

Warum Fußball und Philosophie doch Hand in Hand gehen

"Manchmal verspeißt man den Bären...und manchmal wird man eben vom Bären verspeißt" sagte einmal ein sehr weiser Mann aus Kalifornien (ja, sowas soll es geben).

Dieser weise Mann könnte auch auf den VfR deuten und dasselbe sagen. Ähnlich dem Philosophen, der "Die Grundlage ist immer Hegel" auf jeden beliebigen Lebenssachverhalt anwenden könnte.

Nun stellt sich die Frage: was hat der intellektuelle VfR-Fan, schmal in seiner Zahl, groß in seinem Geist, davon, Fußball, Kunst und Philosophie unter einen Hut zu bringen und in Pirmasens zweifelhafte, nahezu ins obszöne gehende Lieder zu singen, während er beim Heimspiel gegen Darmstadt an der Grenze zur Grenzdebilität (eine doppelte Grenze also) Kunstlilien über den Zaun wirft, dessen Zaunfahne schamhaft verdeckt, was sich dahinter befindet?

Und die Antwort auf diese Frage ist fast so banal wie unser derzeitiger Tabllenstand: eben darum. Weil das Herz schwarz-weiss schlägt, weil wir Schwaben, weil wir Aalener sind.

Also liebe Leser: seid nicht scheu. Wir beissen nicht, wir leiden und freuen uns nur. Die Jungs vom VfR eben.

In diesem Sinne: auf zum Derby und zu einem weiteren Mosaik des Wahnsinns und der grauen Haare - der Autor, 26 Lenze an der Zahl, hatte erst kürzlich eins auf seinem Haupte entdeckt und war erstaunt: "Ihr kostet mich Geld und Nerven. Und jetzt auch noch mein Haar?"

Egal, solange ich irgendwann - und wenn es nur eine Saison ist - Zweite Bundesliga sehen darf.

12 November 2006

Socken zum rocken


Eines dieser seltenen Derbys, die einen doch mehr als sonst im Innern bewegen: ganz tief in den Kisten der Geschichte kann man wühlen, und man findet immer wieder einen Gegner, der einen idR erfolgreich geärgert hat. Pokalfinale, Meisterschaften, Aufstiegsspiele zur 2.BL. Der Verhinderer hat einen Namen: SSV Reutlingen. Dieses Mal waren die Vorzeichen anders, wir hatten die klar bessere Mannschaft, mehr Torchancen und wieder mal kein Sieg: das achte Unentschieden in 15 Spielen.
Nasskaltes Glühwein-Wetter, ein Feuerwehr- und ein THW-Fahrzeug im Rücken und nur 2238 Zuschauer vor sich: ideale Umstände um sich zu fragen ob das alles noch rationell erklärbar ist: 2 Stunden mit je zwei paar Socken in den Schuhen und den VFR-Schal tief ins Gesicht gezogen, nur um zu sehen wie beste Torchancen vergeben werden. Es muss ein Virus sein.

08 November 2006

Emo-Bounty

Soll ich? Soll ich nicht? Oder vielmehr: MUSS ich? Nun, ich wusste ich sollte, und bereute Stunden später nicht gefahren zu sein.
So lag ich im Bett vor dem Internet und liess die minütlichen Wasserstandsmeldungen über mich hereinprasseln, stopfte sinnlos Mini-Bountys in mich rein und musste hilflos mitansehen wie der VfR in Siegen mit 3:4 verlor. Die letzten Spiele in Siegen waren immer der Emotionsdampfhammer gewesen, und auch dieses Mal sollte es so sein.
Nur ohne mich.

06 November 2006

White Russian

Genuschel, Getuschel und Gewuschel

Sathi

Es war ein langer Abend, und wir trafen einen guten alten Bekannten. Er begleitete uns durch die Nacht, und seine Eindrücke verfolgten zumindest mich sogar noch am nächsten Morgen.
Wir sassen im Wunderlich, dieser alten Spelunke in der Altstadt, und starrten in die Gläser. Der Rauch lag schwer im Raum, und die Gesprächskulisse bestand aus einer Sosse aus Getuschel, Genuschel und Gewuschel. Auch wenn der einfache Sieg über das fussballerische Fiasko aus dem Saarland deutlich war, es herrschte eine gewisse Ernüchterung vor. Es fehlte das Gloriöse, das Debakel, die Klarheit. Auch wenn zeitweise fantastisch aufgespielt wurde.
Der Blick auf den alten Freund war tief und breit, ausgetrunken leer und verbraucht stand er in Form kleiner hellbrauner Tropfen seiner früheren Existenz im Glas vor uns, und ich sagte zu Sathi, dem lachenden Thekenpower, 'noch einen'.